Friedhöfe Mannheim
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Grosse Namen auf den Grabstätten Mannheimer Friedhöfe

Auszug aus "Die Friedhöfe in Mannheim" Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Mannheimer Persönlichkeiten herausgegeben vom Fördererkreis historischer Grabstätten in Mannheim.
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A

Ackern, Theo van

Grab-Nr. 18

Stele aus gelbem Sandstein, nach oben leicht verjüngt; Abschlussgesims und flacher Zeltdachaufsatz, profilierter Sockel. Hochrechteckiges Schriftfeld vertieft; in den Ecken Mohnpflanzenelemente. Nachbildung einer Grabsteinform, die mehrmals im jüdischen Friedhof verwendet wurde, z.B. beim Grab des Moses Hirsch, gest. 1858; am linken Mauerweg. D. Kleineidam 1992

Alt, Detmar

Grab-Nr. 151

1820 - 1870. Praktischer Arzt. Ehefrau Marie Koellreuther 1829-1884

Alt, Theodor

Grab-Nr. 151

Dr. jur., 1858 - 1935. Rechtsanwalt. Stadtverordneter, dann Stadtrat der Nationalliberalen Partei. Vorsitzender kultureller und sportlicher Institutionen, so im Verein für die Beschaffung einer Volksbibliothek. Im Kuratorium der Hochschule für Musik sowie im Stiftungsrat der Moritz- und Caroline-Lenel-Stiftung.

1. Alice Oberländer 1859 - 1925, 2. Elsa Kraushaar 1885 - 1939.

Repräsentative Sandsteinstele mit zentralem Bildmedaillon in Marmor, profilierte Ohrenrahmung, Zwickel mit Palmettenrelief gefüllt. Die horizontalen Profile im Sockel und Gebälk sind mit unterschiedlich gestalteten Friesen verziert. 1986 restauriert von P. Geißler

B

Bassermann, Albert

Grab-Nr. 30

(Ehrengrab) 1867 - 1952 * Mannheim. Der Sohn einer angesehenen Kaufmannsfamilie, Neffe des Intendanten August Bassermann wurde erst über Umwege, zunächst mit anderem Namen Schauspieler. Nach mehreren Engagements, 1894/95 am Nationaltheater, begann seine Karriere in Berlin. Max Reinhardt holte ihn 1909 ans Lessingtheater. Insgesamt stand er in gut 700 Rollen mehr als 10 000 Mal auf der Bühne, in 70 Filmen vor der Kamera. Selbst in englischer Sprache blieb sein Dialekt unverkennbar. 1929 wurde er bei der 150 Jahr-Feier des Nationaltheaters zusammen mit Wilhelm Furtwängler emigrierte das Ehepaar 1934 über Österreich, Schweiz nach Amerika. 1949 wieder auf Tournee in Deutschland, wurden beide in der Schauburg mit Ibsens "Gespenstern" gefeiert. Die Ehrenbürgerwürde, wie die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt, wurde zum zweiten verliehen. Der Träger des Iffland-Ringes starb auf dem Flug New York - Zürich in den Armen seiner Frau Else Schiff, 1878 - 1961 * Leipzig. Sie spielte 1930/31 in zwei Filmen mit, war nach dem Tode ihres Mannes in Göttingen engagiert. Ihr einziges Kind, Carmen Bassermann, 1908 geboren, verunglückte 1970 bei einem Verkehrsunfall tödlich.
Tonnengewölbte Grabplatte aus Muschelkalk.

Der Sohn von Ludwig Alexander Bassermann und Elise Reinhardt: Bassermann, August

Grab-Nr. 31

Dr. jur., 1847 - 1931 * Mannheim. von Jugend an fürs Theater begeistert, konnte er erst nach Jurastudium, Teilnahme am Krieg 1870/71 als Dragonerleutnant, in Berlin und Wien die Schauspielerlaufbahn beginnen. Engagiert in Dresden, Wien, New York, Stuttgart, kam er 1886 ans Theater der Heimatstadt. Gefeiert als erster Held (Tell, Götz, Wallenstein), ferner als Regisseur schied er 1893 aus. 1895, als einige tausend Bürger dafür ihre Unterschrift gaben, entgegen der Komitee-Empfehlung Intendant "Wenigstens einmal eine Intendanz in vollkommener Ruhe, verbunden mit lebendiger künstlerischer Arbeit, kluger Geschäftsführung" faßt Dr. Ernst Leopold Stahl die Aera zusammen, erwähnt besonders die Einführung der Volksvorstellungen zum Einheitspreis von 40 Pfennigen. Vom Großherzog nach Karlsruhe berufen, 1904 - 19 Generalintendant des dortigen Hoftheaters. ( Sofie Hauser-Burska, geb. Benaz 1866 - 1943. Sie wirkte in den von Bassermann inszenierten Festspielen mit, engagierte sich führend im Badischen Frauenverein vom roten Kreuz, in der Kriegsarbeitshilfe.

Bassermann, Felix

Grab-Nr. 36

1848 - 1902 * Mannheim. Der Sohn von Julius und Caroline Bassermann trat nach Ausbildung im In- und Ausland, Kriegsdienst, Studium, in die Firma Bassermann   Henschel ein. Mit weiterem Pachtgelände im Hafen, Bau von Stärkefabrik und Gewürzmühle, konnte der Export bis Amerika ausgedehnt werden. ( Anna Grohè 1857 - 1934).

Bassermann, Kurt

Grab-Nr. 36

1880 - 1937 * Mannheim. Er brach sein Studium ab um nach dem Tode des Vaters mit Rudolf und Ludwig Bassermann in die neue Firma Bassermann   Co. einzutreten. Ausgeschieden 1910. Dann Direktor der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft in Freiburg. ( Karola Bassermann 1884 - 1934, Tochter von Ernst Bassermann, wodurch die Familien Eisen-Bassermann und Bassermann am Markt wieder zusammengeführt wurden.

Bassermann, Felix

Grab-Nr. 36

1893 - 1956 * Mannheim. Nach Jurastudium und Kriegsdienst ab 1920 Banklaufbahn. 1922 in der Direktion der Disconto-Gesellschaft Berlin, dann Leipzig. Zuletzt Direktor der Deutschen Bank in Mannheim. ( Irma Wolff 1896 - 1988 Stelenförmiges Kolumbarium aus rotem Granit, Architekt R. Tillessen. Unter dem Spitzgiebel Bronzemedaillon mit Initialen "FB" im Lorbeerornament, darunter Bronzetür mit Eierstabumrandung. Relief "Orpheus und Eurydike mit Hermes", Orpheus, der Sänger und Musikant, hat die Götter der Unterwelt bewogen, ihm seine verstorbene Gemahlin Eurydike zurückzugeben. Gegen das Verbot der Götter schaut er sich nach ihr um, ehe sie noch das Tageslicht erreicht haben; sie muß nun Hermes wieder in die Unterwelt zurückfolgen. Galvanoplastische Reproduktion des attischen Marmorreliefs "Orpheus und Eurydike mit Hermes" nach 420 v.d.Z., im Museo Nazionale in Neapel; Sig. "GEG. STOTZ STUTTGART 1903").

Bassermann, Friedrich Daniel

Grab-Nr. 31

1811 - 1855 * Mannheim. Nach entsprechender Ausbildung erwarb er 1833 das Drogengeschäft der Gebrüder Giulini, verlegt es in väterliche Haus R 1 4 - 6. Im Vorstand des kleinen Bürgerausschusses, Mitglied im Theaterkomitee. Initiator der Bürgerschule. Ab 1841 jüngster Landtagsabgeordneter, führend in der liberalen Opposition. Mit Freund Karl Mathy Gründung einer Verlagsbuchhandlung und 1846 der Deutschen Zeitung, Organ der Forderung einer Nationalversammlung. Mit bayerischem Mandat im Parlament der Frankfurter Paulskirche wurde er Unterstaatssekretär und Sprecher des Ministeriums. Sein Versuch, Preußen-König Friedrich Wilhelm für die Führungsrolle bei den deutschen Einheitsbestrebungen zu gewinnen, blieb ohne Erfolg, auch weitere Bemühungen scheiterten, Krank, behindert durch ein Augenleiden, erschoß er sich einen Tag nach der Goldenen Hochzeit der Eltern. ( Emilie Karbach 1811 - 1872, Tochter des protestantischen Pfarrers Philipp Karbach. Friedrich Daniel Bassermann und seine Frau hatten fünf Kinder, darunter die Ahnen von Bassermann-Jordan in Deidesheim und der Schwetzinger Linie).

Abgebrochene Säule und kassettiertem Sockel, gelber Sandstein, um 1855.

Bassermann, Friedrich Ludwig

Grab Nr. 31

(Ehrengrab) 1782 - 1865 * Heidelberg. Jüngstes von 13 Kindern des Gastwirts "Zu den Drei Königen" in Heidelberg, Friedrich Daniel Bassermann, 1738 - 1810. Erzogen im Winterwerber'schen Institut Mannheim. Nach Tätigkeit in Handelshäusern. zuletzt im Weinhandel im Frankreich, mit Heirat 1805 Eintritt in die Reinhardt'sche Wein-, Tabak-und Bankhandlung. Nach dessen Tod verlegte er seinen Geschäftsteil in das 1829 von Architekt Friedrich Dyckerhoff in R 1 errichtete Haus und betrieb Kolonialwaren- und Chemikalienhandel. Daher "Bassermann am Markt" - im Gegensatz zur Familie "Eisen-Bassermann", die mit Eisen handelte. Oberstleutnant der Bürgerwehr-Kavallerie 1811. Mitglied der Handelskammer 1830 - 39, im Gemeinderat bis zum Rücktritt bei der Revolution 1848. Bayerischer Konsul. (Wilhelmine Reinhardt 1787 - 1869, Tochter des Handelsmanns und Oberbürgermeister Johann Wilhelm Reinhardt. Sie wird als energische Frau geschildert, die sich auch um den Bau von vier Häusern kümmerte, eine Kleinkinderschule gründete. Von dem mit der Familie befreundeten Maler Louis Coblitz stammt das Porträt zur Goldenen Hochzeit, auf dem ein Spinnrad andeutet, daß Wilhelmine selber das Leinen für die Aussteuer gesponnen hat. Gedenktafel am Haus des "Mannheimer Morgen" R 1.)

Zwei Eichenbaumstümpfe mit verschlungenen Ästen und Wurzeln, Sinsheimer Sandstein, um 1865. Symbol der fast sechzigjährigen Ehegemeinschaft. Anspielung auf die klassische Sage des Ehepaars Philemon und Baucis, die nach ihrem Tod in Bäume verwandelt wurden. Sehr naturalistische Darstellung des Waldbodens, der efeuumrankten Baumstämmen und der Kronen, darin ein Eichhörnchen.

Bassermann, Julius

Grab-Nr. 31

1818 - 1891 * Mannheim. Lehre in verschiedenen Branchen in Frankfurt, Paris, London, Triest. Als Bruder Friedrich in die Politik ging, nach vorgeschriebenem Studium und Examen in Heidelberg zusammen mit August Herrschel Geschäftsführer des Drogenhandels. Schwere Verluste in den Revolutionswirren, Erweiterung um Material- und Farbwaren. 1864 - 79 Mitglied der Handelskammer, im Bürgerausschuss.Schauspiel und Musik blieben seine Liebhabereien. ( Caroline Röchling 1826 - 1884 )

Bassermann, Ludwig Alexander

Grab Nr. 31

1814 - 1884 * Mannheim. Lehre und Tätigkeit in Frankreich und England. Mit ihrem Ja-Wort erreichte seine Base die Aufgabe des Plans nach Amerika auszuwandern. Von der väterlichen Firma verkaufte er den Weinhandel, das Tabakgeschäft betrieb er bis 1873. Kirchengemeinderat. Für die liberale Partei im Bürgerausschuss, beteiligt am Entstehen gemeinnütziger Einrichtungen wie Töchterschule, Frauen-Schwimmschule. Als Cellist trat er in Konzerten auf und vereinte in seinem gastlichen Haus namhafte Musiker. ( Elise Reinhardt 1815 - 1894 )

Bayer, Maximilian

Grab-Nr. 111

1872 - 1917. Aus badischer Offiziersfamilie, besuchte er die Hauptkadettenanstalt Lichterfeld; meldete sich beim Hereroaufstand 1904 als Offizier bei der deutschen Schutztruppe. Nach dem Beispiel des englischen Generals Baden-Powell, der die Boyscouts gründete, schuf er 1909 eine ähnliche Jugendorganisation ohne militärischen Drill, die Pfadfinder. Nach dem Zusammenschluß zum Deutschen Pfadfinderbund 1911 wurde er Erster Reichsfeldmeister. Als Major bildete er finnische Soldaten aus. Er fiel als Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments 259 in Nomeny/Lothringen 1917. (Carl F. Rondorf: Maximilian Bayer - Ein Wegbereiter zu Finnlands Unabhängigkeit; Helsinki 1973)

Finnischer Granitfindling, ovales Schriftmedaillon im Lorbeerkranz aus Galvanobronze. Nach den Lebensdaten "GEFALLEN 25.X.1917 BEIM NOMENY ALS KOMMANDEUR R. I. RS. 259/ERSTER REICHSFELDMEISTER D. DEUTSCHEN PFAD-FINDERBUDNES. WAS ER FÜR'S VATERLAND UND DEUTSCHLANDS JUGEND GETAN, BLEIBT IHM UNVERGESSEN". In der Inschrift ist das schwarz-weiß-rote Zeichen des deutschen Pfadfinderbundes eingelassen. "UNTER DIESEM FINNISCHEN GRANITBLOCK RUHT DER GRÜNDER U. RUHMVOLLE KOMMANDEUR D. JÄGERBATL. 27. SEINER ERINNERN SICH IN DANKBARKEIT D. FINNISCHEN JÄGER U. D. FIINNISCHE VOLK" Anfangszeile eingerahmt von kleiner Darstellung eines Verdienstkreuzes und eines Eisernen Kreuzes mit Lorbeerkranz.

Beck, Otto

Grab-Nr. 161

(Ehrengrab) Dr. h.c., 1846 - 1908 * Krautheim. Amtmann in Baden-Baden, Oberamtmann in Raststatt, 1891 erster beamteter Oberbürgermeister Mannheims, das unter ihm mit der Eingemeindung von Käfertal, Waldhof, Neckarau, Anstieg der Einwohnerzahl von 80 000 auf 181 000 zur Großstadt wurde. Industrie- und Rheinauhafen, Rangierbahnhof entstanden, Rosengarten und Friedrichsplatz. Oft zitiert sind seine Worte 1903 bei der Eröffnung des Nibelungensaals: "Wer der Gemeinde dient, hat einen schlimmen Herrn!". BBC und weitere Firmen wurden angesiedelt. Beck rief anläßlich des 300. Stadtjubiläums 1907 zur Internationalen Kunst- und Gartenbauausstellung auf, die 4,6 Millionen Besucher zählte, mit Überschuss schloss. Ehrendoktor der Uni Heidelberg. Beim Vorbereiten der Eröffnung der Handelshochschule ereilte ihn zuhause am Schreibtisch der Herztod. ( Amalie von Raouloff 1859 - 1937. Otto-Beck-Straße in der Oststadt). Zwei Söhne.

Beck, Karl

Grab-Nr. 161

1880 - 1942 * Bonndorf. Professor und Direktor der Klinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkranke der Universität Heidelberg.

Beck, Woldemar

Grab-Nr. 161

1886 - 1943. Direktor der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft, der späteren Deutschen Bank, zuletzt in Kaiserslautern.

Große dorische Tempelarchitektur aus Cannstatter Travertin mit seitlicher Pfeilerarkatur über Exedren, Architekt Schaab. Auf Pfeiler eingestellte Porträtbüste in Bronze, Signaturen links "GEG. A. G. VORM. KARL FLINK MANNHEIM", rechts "J: Hoffart 1909".

Boehringer, Christoph

Grab-Nr. 197

1820 - 1882. Apotheker. Sein Vater Christian Friedrich Boehringer (1791 - 1867) hatte 1859 mit ihm und Bruder Christian, Kaufmann, in Stuttgart die Chinin- und Arznei-Fabrik C.F. Boehringer   Söhne gegründet. 1868 deren Leiter, nach Ausscheiden auch der Witwe des 1864 verstorbenen Bruders, 1873 Alleininhaber. Der besseren Verkehrsanbindung wegen Umsiedlung auf das von ihm 1870 erworbene, von der BASF aufgegebene Gelände im Jungbusch. ( Mathilde Spring 1820 - 1902. Auf sie ging die Firma über.)

Ihr Sohn: Boehringer, Ernst Christian

Grab-Nr. 197

1860 - 1892, Chemiker und Kaufmann wurde mit dem Tod des Vaters 23jährig zum Geschäftsführer bestellt, Schwager Dr. Friedrich Engelhorn, Sohn des BASF-Gründers, trat als Gesellschafter hinzu. Er starb ohne männlichen Nachkommen im Urlaub in Italien an einer Fischvergiftung, den Anteil der Erben erwarb Dr. Engelhorn. ( Fanny Joerger 1868 - 1936, Tochter des Sebastian Joerger. )

Repräsentative Muschelkalkgrabwand. Mittelrisalit mit zwei kannelierten Säulen ohne Kapitelle, einfacher Dreiecksgiebel; verkröpftes Gesims mit Blattfries. Seitliche Anmauerungen, nach unten leicht ausgestellt. Im Risalit Marmorhochrelief von H. Volz: auferstandener Christus, stark antikisiert, mit kreuzbekrönter Siegesfahne, die Rechte zum Himmel erhoben. Davor mit altarähnlicher Brüstung aufgeschlagene Bibel mit Inschrift: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben ob er gleich sürbe und wer da lebet und glaubt an mich, der wird nimmer mehr sterben".

C

Cahn-Garnier, Fritz

Grab-Nr. 351

(Ehrengrab) 1889 - 1949 * Mannheim. 1922 Stadtsyndikus, 1933 aus rassischen Gründen entlassen, 1938 KZ Dachau. 1945 wieder Stadtsyndikus, Landesdirektor der Finanzen der Landesverwaltung Baden. 1946 Finanzminister von Württemberg-Baden, 1946/47 Präsident der Landeszentralbank. Im Februar 1948 als SPD-Kandidat zum Oberbürgermeister gewählt, schuf er Grundlagen für den Wiederaufbau der Stadt, u.a. des Nationaltheaters. Vielen seiner Pläne setzte der Herztod im Juni 1949 ein jähes Ende. Cahn-Garnier-Ufer in der Oststadt ihm zu Ehren.

Rote Sandsteinstele mit Gesimsabschluß, nach oben verjüngt; darin Flachrelief mit dem Portrait des Verstorbenen. Signatur links "HOBBING 1950"

D

Diffenè, Karl

Grab-Nr. 35

Dr. jur., 1836 - 1902. Kommerzienrat. * Mannheim. Sohn des Oberbürgermeisters Heinrich Christian Diffenè. Nach Auslandsreisen trat er 1865 in die von seinem Vater mitbegründete Firma Sauerbeck   Diffenè ein. Er wurde 1878 in die Reichs-Tabak-Enquete-Kommission berufen, Aufsichtsratsvorsitzender der Badischen Schiffahrtsassekuranz, der Mannheimer Dampfschleppschiffahrts-Gesellschaft. 1887 - 89 NLP-Stadtrat. Vorsitzender im Verwaltungsrat der öffentlichen Bibliothek, Förderer des Musiklebens. ( Bertha Bassermann 1847 -- 1919, Tochter von Julius Bassermann. )

Reich verziertes Mausoleum aus Sinsheimer Sandstein Architekt W. Manchot. Quadratischer Grundriß; Eingang über vier Stufen, flankiert von teilkannelierten Säulen und Pilastern. Galvanobronzetür mit Relief der schwebend lyraspielenden Muse Terpsichore; Signatur "GALVANO-PLASTIK-GEISLINGEN-ST." Giebel und Dachreiter von flammenden Urnen bekrönt.

Dyckerhoff, Wilhelm Gustav

Grab-Nr. 194

1805 - 94. Der Neffe von Jacob Dyckerhoff gründete in Biebrich die Portland-Zementwerke Dyckerhoff   Söhne, die in Mannheim ein Verkaufsbüro betrieb. ( Caroline Eglinger 1813 - 1893. Von ihren Söhnen führten zwei das Werk in Biebrich )

ein weiterer Sohn: Dyckerhoff Hermann

Grab-Nr. 194

1840 - 1918 * Mannheim, leitete mit großem Erfolg das Mannheimer Büro. Für die NLP im Bürgerausschuss. Handelsrichter. Aufsichtsrat der Rheinischen Creditbank und der Mannheimer Versicherungsgesellschaft. Kirchengemeinderat. ( Maria Helmreich 1841 - 1920. )

Repräsentatives Granitgrabmal in Ädikulaform, seitliche Anmauerungen mit Volutenüberleitung. Mittelrisalit erhebt sich auf zwei Stufen, von Pilastern auf Bronzebasen und engelskopfverzierten Würfelkapitellen eingefaßt. Rötliche Granitschriftplatte in Rundbogennische. Darüber Schlußsteinvolute mit Blattverzierungen. In den Zwickeln Galvanorossetten. Über Gesims Segmentbogenabschluß mit stilisierten Eckakroterien, Firstbekrönung fehlt.

F

Fehsenbecker, Julius

Grab-Nr. 170

Dr. jur., Dipl.-Volkswirt, 1921 - 70 * Mannheim. 1948 Rechtsanwalt, Lehrbeauftragter für Handelsrecht an der Wirtschaftshochschule. 1952 - 64 Beigeordneter (Bürgermeister) für Wohnungs- und Versorgungswesen, ab 55 für Wirtschaftsförderung und Grundstückswesen. Dann Hauptgeschäftsführer der IHK Mannheim und als Spitzenkandidat, stellvertretender Fraktionschef de CDU im Stadtrat bis zu seinem Tod. Mitbegründer und Vorstand im Bund für Bürgerrechte, Vorsitzender von "Bürger im Staat" Nordbaden, der Gesellschaft zur Wahrung der Grundrechte Mannheim-Heidelberg, des Hafenbeirats. In seiner Amtszeit als Bürgermeister entstanden Ölhafen, Raffinerie, Großmarkt.

Helle Granitgrabplatte mit Bleiintarsien, P. Geißler

G

Giulini, Carl

Grab-Nr. 196

1860 - 1906. (Alice Hesse 1866 - 1959 Giulini, Wilhelm)
Grab-Nr. 196

Dr. phil., 1863 - 1903. (Anna Franziska Joerger 1872 - 1959, Tochter von Karl Joerger. Giulini, Edgar)
Grab-Nr. 194

Dr. jur., 1886 - 1945. Sohn von Carl Giulini. (Carola Joerger, Tochter von Otto Joerger. Giulini, Dominik)
Grab-Nr. 196 (Familiengruft)

1761 - 1836, aus Oberitalien. 1816 Einheirat in die hiesige Filiale der italienischen Drogenhandlung Maggi Grasseli   Co. Der Neffe Paolo Giulini 1794 - 1876, kam als Teilhaber dazu, veräußerte sie 1834 an Friedrich Daniel Bassermann. 1827 Gründung der Schwefelsäure-Fabrik Wohlgelegen der Gebrüder Giulini, die "Paul" Giulini 1851 als erste Fabrikansiedlung nach Ludwigshafen verlegte.

Giulini, Lorenz Peter Anton

Grab-Nr. 196

Dr. phil., 1824 - 1898- Sohn des Firmengründers Paul Giulini, Geschäftsführer. ( Marie Eleonore Hübsch 1835 - 1921, Tochter des Weinheimer Baumeisters Prof. Heinrich Hübsch, der die Ludwigskirche Ludwigshafen, das Zollamt Mannheim baute, den Speyerer Dom restaurierte.

Repräsentatives Sandsteinmausoleum mit Gruf und Urnennischen in Form eines römischen Rundtempels. Acht kannelierte Dreiviertelsäulen, zwischen den korinthischen Kapitellen Kassetten mit alternierenden Darstellungen: Lorbeerkranz mit fliegendem Band, Palmwedel in Lorbeerkranz mit fliegendem Band. Über Gebälk Relief mit umziehendem Trauerflor, einbindend Vasenmedaillons und Knaufhalterungen, hinterlegt von Lorbeerzweigen.

Kuppeldachbekrönung mit Flammenurnen und Laternenabschluß, darauf niedrige Säule mit Kompositkapitell und Flammenbekrönung. Kassettierte Galvanotür, Gewände mit Ohrenrahmung und Gebälk; zwischen den zur Tür benachbarten Säulen großformatige Kreuzreliefs. Sechs Stufen mit seitlichen Anmauerungen führen zur Grabtür; auf den vorderen Pfosten vierfüßige Bronzeschalen. Innen lebensgroßer, weiblicher Auferstehungsengel aus Marmor geflügelt, mit Palmzweig. signiert "Fritz Christ München 1901". Muschelüberfangene Figurennische, Sockel Marmorblock. Acht Pilaster mit ionischen Kapitellen gliedern die Wand; zwischen Pilastern jeweils acht Paarweise übereinandergestaffelte Urnennischen. Die gefüllten Nischen enthalten immer denselben Urnentyp. Bauchige Vase mit Ohrenhenkel und Mäanderfries, umlaufendes Trauerflorband vorne an Blütenknauf befestigt, Bekrönung in Form einer kleinen Zwiebel. Über Türinnenseite bronzenes Familienwappen, mit Lorbeerkranz und eingewundenem Band umfangen, darunter geflügelter Engelskopf. Wappen mit Schiff, Wehrturm und Adler. Rippenkuppel; Rippen mit Palmwedel belegt.

Grammann, Carl

Grab-Nr. 93

1776 - 1844 * Mecklenburg. Als Großkaufmann in St. Petersburg zu Vermögen gelangt, verbrachte er seinen Lebensabend in Mannheim, erwarb 1842 das Haus L 2, 9. ( Katharina Römer 1781 - 1842 )

H

Heimerich, Hermann

Grab-Nr. 60

(Ehrengrab) Dr. jur. rer. pol., Dr. h.c. Professor, 1885 - 1963 * Würzburg. Rechtsanwalt, Magistratsrat, Amtsleiter in Nürnberg. 1911 SPD. 1925 Bürgermeister in Kiel, 1928 Oberbürgermeister von Mannheim. 1933 entlassen, Wirtschaftstreuhänder in Berlin. 1945 Oberregierungspräsident der Provinz Mittelrhein-Saar, Rechtsanwalt und Steuerberater in Heidelberg. 1949 von der Bevölkerung zum OB gewählt. In seiner ersten Amtszeit erreichte er Eingemeindung von Wallstadt, Seckenheim und Friedrichsfeld, nun betrieb er Wiederaufbau u.a. Rathaus E 5, Rosengarten, Kunsthalle, Zeughaus, Nationaltheater. Neue Wohngebiete und Straßen. Initiator der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft, als Sachverständiger für die Neugliederung des Bundesgebiets sowie zur Verwaltungsvereinfachung berufen. Ehrenbürger und Professorentitel bei Verabschiedung 1955. ( Anna Luise Schilling 1896 - 1978 (ist nicht im Grab beigesetzt).
H. Heimerich "Lebenserinnerungen eines Mannheimer Oberbürgermeisters" 1981. Hermann-Heimerich-Ufer in der Neckarstadt, Hermann-Heimerich-Studentenwohnheim N 6. Der Raumordnungsverband verleiht die nach ihm benannte Plakette für Verdienste um die Zusammenarbeit im Rhein-Neckar-Raum.

Große Muschelkalkstele mit Figurennische, Entwurf Friedhofsamt. Darin Bronzeskulptur "Der Zweifler" von Ernst Barlach aus dem Besitz des Verstorbenen.

J

Jolly, Ludwig

Grab-Nr. 121

(Ehrengrab) 1780 - 1853. Oberbürgermeister * Mannheim. Die ihres Glaubens wegen aus Frankreich geflüchtete Familie ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Mannheim nachzuweisen. Mit 15 Freiwilliger im kurpfälzisch-bayrischen Füsilierregiment, ging er als Brigadeadjudant ab, gründete mit seinem Schwager Johann Daniel Keßler eine Handelsfirma. 1818 wurde er Bürger der Stadt, 1830 Vorsteher der Handelsinnung, nach Umwandlung zur Handelskammer 1831 - 39 ihr erster Präsident. Gemeinderat, Theaterkommissär. 1836 und 1842 zum Oberbürgermeister gewählt. Hafenerweiterung, die erste Neckarbrücke, der Hauptfriedhof sind Daten seiner Aera. In den Wirren 1848/49 fehlte dem 68jährigen die nötige Energie. Die Karlsruher Regierung setzte nach Scheitern der Revolution den Gemeinderat ab. Bei Neuwahlen 1849 unterlag er Lorenz Brentano. ( Eleonore Alt 1786 - 1859. )
Ludwig-Jolly-Straße in der Neckarstadt. (Waldeck I, Weech V). Sein Vorgänger als Oberbürgermeister war Heinrich Andriano 1774 - 1836, ( mit seiner Cousine Martha 1781 - 1847. Beide Gräber bestehen nicht mehr. Andriano amtierte 1833-35.

Sandsteinstele mit Volutenbekrönung. Eckakroterien mit Mohnkapseln. Mittelaufsatz fehlt, vermutlich kleines Metallkreuz. 1984 restauriert von H. Korwan.

K

Kotzebue, August Friedrich von

Grab-Nr. 138

(Ehrengrab) 1761 - 1819 * Weimar. Der Jurist brachte es in russischem Staatsdienst, aber auch als Schriftsteller zu Ansehen. Hoftheaterdichter in Wien. 1800 in Rußland nach Sibirien verbannt, rehabilitiert, Direktor des Deutschen Theaters in Petersburg. Als Staatsrat, persönlicher Berichterstatter des Zaren nach Deutschland entsandt, kam er 1818 nach Mannheim. Mit mehr als 200 Dramen war er der meistgespielte deutsche Autor, einige Lustspiele hielten sich, auch in Amerika. In seinem "Literarischen Wochenblatt" wandte er sich gegen liberale Ideen der Burschenschaftler: Anlaß für den Studenten Karl Ludwig Sand, ihn mit "Hier, Du Verräter!" ins Herz zu stechen. Es war der erste politische Mord in Deutschland.

( Friedrike von Essen 1763 - 1790, 2. Christiane von Krusenstjern 1769 - 1803, 3. Wilhelmine von Kursell, geb. Krusenstjern 1778 - 1852.)
Gedenktafel in A 2, 5, Wohnsitz und Tatort. Nach dem Sohn Otto von Kotzebue, 1788 - 1846, der als Naturforscher drei jeweils dreijährige Weltreisen unternahm, zahlreiche Inseln entdeckte, mehrbändige Berichte schrieb, sind eine Eskimo-Stadt und der Sund in West-Alaska benannt.

Eigenwilliges Grabmal in Mainsandstein, M. Pozzi von zwei Theatermasken gestützter, auf eine Kante gestellter Würfel mit Inschriften "DIE WELT VERFOLGT IHN OHN' ERBARMEN/VERLÄUMDUNG WAR SEIN TRÜBES LOOS,/GLÜCK FAND ER NUR IN SEINES WEIBES ARMEN/UND RUHE IN DER ERDE SCHOSS./DER NEID WAR IMMER WACH, IHM DORNEN HINZUSTREUEN/DIE LIEBE LIS IHM ROSEN BLÜHEN;/IHM WOLLE GOTT UND WELT VERZEICHEN:/ER HAT DER WELT VERZIEH'N."

Plinthe, weich plastiziert, über grob bossiertem Sockel.

L

Langeloth, Jacob (jetzt Kern)

Grab-Nr. 147

Sandsteinädikula in ionischer Ordnung mit eingestellter Granitschriftplatte , Rundbogenabschluß und kassettierte Pilasterrahmung.

Lanz, Heinrich, Julia, Karl

Grab-Nr. 10

(Ehrengrab - Gruft) Heinrich Lanz, 1838 - 1905 * Friedrichshafen. Mit Eintritt in die Mannheimer Filiale der väterlichen Speditions- und Einfuhrfirma 1859 errichtete er eine Reparaturwerkstatt für landwirtschaftliche Maschinen, die, ab 1870 selbständig, zur größten deutschen Lokomobilfabrik wuchs. Zu Handdresch- und Futterschneidemaschinen kamen ab 1879 dampfbetriebene Anlagen. Zu ungewöhnlich großzügigen Sozialleistungen im eigenen Werk kamen Stiftungen zum allgemeinen Wohl, laut Testament vier Millionen Goldmark, je eine Million zur Errichtung der Handelshochschule Mannheim und der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg. Mit Verzicht auf weitere Ämter war der Geheime Kommerzienrat seit 1879 Mitglied der Handelskammer. Das 1910 auf Werksgelände im Stadtteil Lindenhof enthüllte, überlebensgroße Standbild stammt wie der Sarkophag und eine Büste im Heinrich-Lanz-Krankenaus von dem Berliner Bildhauer August Kraus. Eine Straße in der Schwezingerstadt, eine berufsbildende Schule am Hermann-Heimerich-Ufer sind nach ihm benannt.

Julia Lanz, geb. Faul, 1843 - 1926 * Mannheim.

Sie setzte Werke und Willen ihres Mannes fort, vollzog die bereits 1899 gegründete "Heinrich und Julia Lanz-Stiftung". Deren Verpflichtung gegenüber Werksangehörigen wird nach Übernahme durch die John Deer AG 1968 erfüllt. Hinzu kam die Förderung der Kunst, konkret des Nationaltheaters durch ständige Mitarbeiter-Abonnements und Finanzierung von Inszenierungen. Das 1907 errichtete Lanz-Krankenaus wurde 1970 durch einen Neubau ersetzt. Als erste Frau erhielt Julia Lanz 1910 die Ehrenbürgerwürde. An ihrem Wohnhaus A 2, 6 - 7, das sie der St. Hedwig-Klinik überließ , erinnert eine Gedenktafel an sie. Heinrich und Julia Lanz hatten vier Kinder, der einzige Sohn, Karl Lanz, Dr. h.c., 1873 - 1921 * Mannheim, studierte Maschinenbau an der TH Charlottenburg, kam 1897 zur Firma, die er nach dem Tod des Vaters leitete. Angliederung des Erntemaschinenwerks Zweibrücken. 1909 stiftete er den ersten deutschen Piloten-Preis, holte den Schiffbauer Prof. Johann Schütte als Konstrukteur von Luftschiffen. Auf der Schütte-Lanz-Werft Rheinau entstanden bis Kriegsende 22 starre Luftschiffe. (Johann-Schütte-Straße im Stadtteil Schönau). Weltweit berühmt wurde der 1921 von Dr. Fritz Huber entwickelte "Bulldog". 1910 - 12 schuf der Pariser Schloß-Architekt St. Ange, die monumentale Villa Lanz in der Oststadt mit seinen Initialen "K.L.". Für Direktorenwohnungen aufgestockt, 1922 von den Erben an die Post verkauft. Durch moderne Anbauten erweitert, dient das Palais als Fernmeldeamt. Der Kommerzienrat war ab 1910 Mitglied der Handelskammer und starb, vom Kriegseinsatz als Rittmeister angeschlagen, mit 48 Jahren. ( Gisela Giulini 1881 - 1973. )

Im südlichen Eckpavillon der Eingangsarkaden zweigeschossiges Mausoleum mit Marmorinnenverschalung. In seitlichen Nischen der Erdgeschoßgalerie lebensgroße Marmorallegorien der Fruchtbarkeit und der Arbeit. Im Tiefgeschoß Marmorsarkophag mit Liegefigur des Heinrich Lanz im Leichentuch. Der Sarkophag wurde nach dem Vorbild der Charlottenburger Königssarkophage geschaffen. Eingangstür aus Bronze mit Flachreliefs, Tier- und Schiff, Schmetterling, Raupe. Musizierende Eroten. Inschrift unter zentralem Engelskopf: "VITA SOMNIUM BREVE" (Das Leben ist ein kurzer Traum). Bildhauer A. Kraus, Ausführung W. Busam.

O

Oberdalhoff, Hans

Grab-Nr. 20

Dr. med., 1909 - 88 * Münster/Westfalen. Professor. Chirurgische Ausbildung in Heidelberg, 1944 Dozent. Nach dem Krieg Oberarzt, Chirurgische Klinik Heidelberg. Ab 1951 als Nachfolger von Rudolf Zenker, Direktor der Chirurgischen Klinik, hat er wesentlichen Anteil am Aufbau der Fakultät Mannheim. 1954 zum Ordinarius ernannt. ( Dr. med. Christa Reuther 1918 - 78. )

Niedriger, asymmetrischer Schriftblock neben stilisierter, hochaufragender Flamme, Muschelkalk, H. Korwan.

R

Reinhardt, Johann Wilhelm

Grab-Nr. 32

(Ehrengrab) 1752 - 1826 * Neuwied. Nach der Lehre in Mannheim ab 1781 selbständiger Tuchhändler. Er fügte Wein- und Tabakhandel, ab 1800 auch Bankgeschäfte mit Erfolg und Nutzen der vom Krieg betroffenen Stadt hinzu. Bei der Auflösung der Verwaltung 1810 wurde er zum ersten, noch ehrenamtlichen Oberbürgermeister gewählt. 1814 schoß er der Stadt eine erhebliche Geldsumme vor. In seine Amtszeit bis 1820 fielen der Übergang an Baden und die Hungersnot 1816/17, die er durch Erschließen von Getreidequellen lindern konnte. ( Barbara Koob 1753 - 1827. )

Repräsentatives Sandsteingrabmal, 1826. Die Basis auf quadratischer Grundform trägt einen Pyramidenstumpf als Sockel. Darauf zurückgesetzter Schriftkubus und Giebelaufsatz mit Eckakroterien. Die bekrönende, reich verzierte Vase aus weißem Marmor ist für die ein Jahr später verstorbene Gemahlin des Toten bestimmt. Basis mit Inschrift "DIESER STEIN UND DIE GEBEINE DIE ER AUF DEM ALTEN KIRCHHOFE DEKTE, WURDEN HIERHIER VERBRACHT IM JULY 1843". Auf der vorderen Seite des Sockels Fruchtgirlande, mit Stern überfangen. Das Motiv darunter, ein Bienenkorb mit ausschwärmenden Bienen, wurde schon auf dem Titelbild des Stadtprivilegiendrucks von 1652 verwendet. Links Symbole des Handelsgottes Merkur, Caduceusstab, geflügelter Helm und Stern; rechts Schiffsanker mit Stern. Auf der Hinterseite zwei gekreuzte Palmwedel mit Stern. Der Schriftkubus enthält vorne Angaben zur Person Reinhardts; links Inschrift: "EIN TREUER MANN WIRD VIEL GESEGNET. PROV. 28. 20. DAS GEDÄCHTNISS DES GERECHTEN BLEIBT IM SEEGEN. PROV. 10. 7."; rechts "DAS IST DIE VERHEISSUNG, DIE CHRISTUS UNS VERHEISSEN HAT, DAS EWIGE LEBEN. 1. JOH. 2.25"; hinten "SEELIG SIND DIE TOTEN, DIE IN DEM HERRN STERBEN, SIE RUHEN VON IHRER ARBEIT, DENN IHRE WERKE FOLGEN IHNENNACH. APOC. CA. 14 V. 13.". Die Ecken des Quaders sind mit geflügelten Engelsköpfen verziert. In den Giebeln vorne das Auge Gottes im ovalen Ausschnitt einer Glorie, links ein Eichenkranz, rechts ein Sternenkranz, ebenfalls von einer Glorie umstrahlt, die Darstellung hinten nicht mehr vorhanden. Die Eckakroterien enthalten Mohnkapseln.

S

Sand, Karl Ludwig

Grab-Nr. 83

(Ehrengrab) 1795 - 1820* Wunsiedel. Der Student im Bann der Burschenschaften in Jena, betrachtete aufgrund von Publikationen Staatsrat und Dichter August von Kotzebue als russischen Spion und Feind studentischer Ideen. Er kam 1819 nach Mannheim mit dem Vorsatz ihn umzubringen, überraschte und erdolchte ihn am 23. März in seiner Wohnung. Ein Selbstmordversuch mißlang. Vom Oberhofgericht unter Sitz des Karl Freiherr von Drais zum Tode verurteilt, wurde er am 20. Mai 1820 auf dem Schafott auf dem heutigen Wasserturm-Gelände vom Heidelberger Scharfrichter enthauptet. Ursprünglich auf dem lutherischen Friedhof in Q 7 beigesetzt, wurde er 1869 auf Betreiben von Gemeinderat Wilhelm Langeloth und Holzhändler Louis Hunkler auf den Hauptfriedhof überführt.

Pyramidenstumpf auf Cippus, Sandstein; im Sockel nachträglich eingefügtes Bronzemedaillon mit Portrait des Verstorbenen, Inschrift "CARL LUD. SAND 1820". Signatur "C.L. SAND 1906". Darüber "Alles Ird'sche ist vollendet, und das Himmlische geht auf!", Vers von Lands Lieblingsdichter Theodor Körner. In der Basis Eichenlaubfeston. Signatur des Steins "I:C: Korwan". An Sands 50. Todestag, dem 20.05.1870, Enthüllung des Gedenksteins.

Schmöger, Karl

Grab-Nr. 16

1867 - 1950. Er war der erste hauptamtliche Leiter der Friedhofsverwaltung. Sein Vorgänger, der Gärtner Mathias Kocher, hatte bis 1900 die Verwaltung nebenberuflich betrieben.

Obelisk mit Zwischengesims auf bossiertem Sockel, schwarzer Granit.

Soherr, Hermann

Grab-Nr. 13

1851 - 1921. Mit Carl Wingenroth zusammen gründete er das Bankhaus Wingenroth, Soherr   Co., das in der Filiale der Darmstädter Bank und mit ihr in der Deutschen Bank aufging. ( Anna Stursberg 1859 - 1944. )

Grabanlage in schlichten, geometrischen Formen: Muschelkalk, E. Plattner 1923. Scheinsarkophag ruht auf vier stilisierten Löwen in ägyptisierender Darstellung, Entwurf J. Seidler. Dahinter führt eine Wendeltreppe zum unterirdischen Kolumbarium, das von einer bronzenen Kassettentür mit Türklopfern verschlossen ist. Grabgitter und Treppengeländer entfernt.

T

Traitteur, Carl Theodor von

Grab-Nr. 73

(Ehrengrab Traitteur-Deurer) 1756 - 1830, Dr. Professor * Philippsburg. Als Hofgerichtsrat und Historiograph im Hof- und Staatskalender geführt. 1786 Mitglied der Mannheimer Akademie und 1788 Hofbibliothekar der kurfürstlichen Bibliothek. Schrieb Romane, Schauspiele, statistische und staatsrechtliche Abhandlungen. Sein Nachlaß, u.a. mit Plänen für eine Akademie der Wissenschaften und Künste, sowie höhere Mädchen-Bildungsanstalt liegt im Geheimen Hausarchiv zu München.
(1. Magdalena von Rogister 1766 - 1789 2. Katharina Rothan in Frankenthal beigesetz).

Links: Anrührendes Grabmal von C. Linck. Vollplastische, annähernd lebensgroße Darstellung der Verstorbenen mit den beiden lebenden und dem toten Kind. Dem Auferstehungsgedanken entsprechend, zieht die zu neuem Leben erwachte Mutter ihr Kind aus dem zerbrochenen Sarkophag herauf. Die beiden lebenden Kinder drücken die Trauer um die verstorbene Mutter aus. Das Grabmal wurde 1790 auf dem katholischen Friedhof in K 2 aufgestellt, 1873 an die jetzige Stelle transferiert und 1972 durch eine Kopie von H.V. Dursy ersetzt. Das Original befindet sich im Reiß-Museum.

Traitteur, Wilhelm von

Grab-Nr. 73

(Eines der drei auf dem Denkmal dargestellten Kinder) 1788 - 1859. Badischer Offizier, der als Folge der Heirat der badischen Prinzessin Luise mit Zar Alexander in die russische Armee eintrat. Er machte sich als Genie-(Ingenieur)offizier einen Namen, baute die erste Kettenbrücke über die Newa. Der Mannheimer Stadtrat bat ihn um ein Gutachten über eine "hängende Kettenbrücke" über den Neckar, zur Ausführung seines Planes kam es nicht. Als Generalmajor verabschiedet, mit hohen russischen Orden geehrt, kehrte er nach Mannheim zurück, griff seine Brückenbaupläne erfolglos wieder auf. Verfaßte Denkschrift über den Bau eines Freihafens. ( Pauline von Baranoff, Palastdame der Zarin. Sie kehrte nach seinem Tod mit den zwei Kindern nach Livland zurück.

Traitteur, Johann Andreas von

Grab-Nr. 73

Der ältere Bruder von Carl Theodor von Traitteur ist in Bruchsal beigesetzt, 1752 - 1825. * Philippsburg. Kurpfälzischer Offizier, Oberstleutnant in der österreichischen Armee. Beide erhielten 1786 die Doktorwürde in Heidelberg, wo er 1791 Rektor wurde. Er betrieb die Saline Bruchsal, Ziegelei und Sägemühle. Die von ihm geplante Quellwasser-Leitung von Rohrbach nach Mannheim scheiterte. Auf die nicht reibungslosen Versuche mit Heißluftballons bezieht sich ein damals populärer Spottvers:

Herr Tretter, Herr Tretter,
der Luftballon stoßt wedder.
Hätt'er unne nei(n) geblooße
Wär'er owe nit angestooße.

Dennoch ist die Traitteuerstraße in der Schwetzingerstadt nach ihm benannt.

Trumpfheller, Jakob

Grab-Nr. 359

(Ehrengrab) 1887 - 1975 * Erbach/Odenwald. Als Schlosser auf Wanderschaft kam er 1907 nach Mannheim, zu Lanz, Vögele, Benz. 1922 Geschäftsführer des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbands. Ab 1906 in der Gewerkschaft aktiv. 1907 in der SPD, ab 1919 Stadtverordneter, 1926 Stadtrat, 1928 im Landtag und Ortsvorsitzender. 1933 und 1934/35 inhaftiert. Mitarbeit in der Wäscherei der Frau. Nach eingestelltem Hochverrats-Verfahren 1944 erneut KZ, Kriegsdienst. Ab Mai 1945 Beirat von OB Brau, 1946 Bürgermeister, 1955 Erster Bürgermeister, schuf er Grundlagen für Wohnungsbau, Energie- und Verkehrsprojekte. 15 Monate bis zur Gültigkeit der Wahl von Ob Dr. Reschke, war kommissarisch Stadtoberhaupt. 1959 trat er 72jährig zurück, bis 1963 führte er die Geschäfte der Gemeinnützigen Baugesellschaft. Im SPD-Ortsverband hatte er wieder von 1945 - 59 den Vorsitz, ab 1955 im Aufsichtsrat der AZ Allgemeine Zeitung. Verdienstorden lehnte er ab, 1954 wurde der "Patriarch der Sozialdemokraten" Ehrenbürger. Seine aus Baden-Baden stammende Frau starb nach fast 63 jähriger Ehe sechs Tage nach ihm. (Josephine Hilger 1889 - 1975.)

Breite Grabwand, roter Sandstein. Stilisierte Darstellungen historischer und neuzeitlicher Gebäude Mannheims, die auf die Tätigkeit Trumpfhellers hinweisen; darunter das alte Kaufhaus und das neue Nationaltheater. Entwurf R. Schüpferling, Ausführung H. Korwan.

V

Varnholt, Wilhelm

Grab-Nr. 169

(Ehrengrab) 1925 - 1983 * Gütersloh. Oberbürgermeister. Begann als Inspektor bei der Stadtverwaltung seiner Heimat, leitete Kämmereiverwaltung Gladbeck. 1963 SPD. Kämmereidirektor in Mannheim 1964 - 68, bis 1973 Bürgermeister in Ludwigshafen, dann Erster Bürgermeister in Mannheim. Hier wurde er im Juli 1980 zum Oberbürgermeister gewählt. Er betrieb den Bau des Landesmuseums, die Erweiterung von Kunsthalle und Reiß-Museum, vollzog den ersten Spatenstich fürs Planetarium, schuf Grundlagen für Nahverkehrs- und Hochschul-Projekte. Starb plötzlich beim Urlaub in Kenia. Wilhelm-Varnholt-Allee zur Autobahn.

Einfache Muschelkalkstele mit leicht überragendem, zeltdachförmigem Abschluß. Entwurf R. Schüpferling, Ausführung H. Korwan.

W

Waldeck, Florian

Grab-Nr. 59

(Ehrengrab) Dr. jur., 1886 - 1960 * Mannheim. Sohn des Bankprokuristen und Lokaldichters Hermann Waldeck. Im Krieg 1914 - 1918 zuletzt Leutnant. Ab 1919 Rechtsanwalt in Mannheim. Für Deutsche Volkspartei Stadtverordneter 1925 - 1933, ab 1927 im Badischen Landtag, 1929 - 33 Vizepräsident. Nach Entzug der Anwaltszulassung 1939 Emigration, Mutter und Schwester begingen in Mannheim Selbstmord. Nach Rückkehr 1945 wieder im Beruf, 1948 - 53 CDU-Stadtrat. 1948 - 60 Präsident der Rechtsanwaltskammer. 1950/51 im Kommissarischen Dreier-Vorstand des Nationaltheaters. In mehreren Aufsichtsräten, Vorsitzender bei Knoll AG. Ehrenvorsitzender des Mannheimer Anwaltsvereins. 1930 - 33 und 1949 - 60 Vorsitzender des Altertumsvereins, der Gesellschaft der Freunde des Nationaltheaters. Ehrenvorsitzender im Verein Kurpfalz, des Badischen Rennvereins. Ehrensenator der Wirtschaftshochschule. 1954 Ehrenbürger und Schillerplakette, 1955 Großes Bundesverdienstkreuz. Nach ihm, dem Verwalter der Reiß-Stiftung wurde der Vortragssaal im Reiß-Museum benannt. In Erz gegossen steht sein Name auf einer der von ihm und anderen Bürgern gestifteten Glocken der Jesuitenkirche. (Bertha Mackle 1890 - 1964.)

Weyland, Louise

Grab-Nr. 42

(Ehrengrab) geb.Aulber, 1758 - 1837 * Kutzenhausen. Hofrätin. Pflegerin und Erzieherin der Kinder des letzten Zweibrücker Herzogs, Max Joseph, des späteren Bayern-Königs, Maximilian I., der mit der Familie vor den französischen Revolutionstruppen 1790 nach Mannheim floh. In dankbarer Erinnerung an seine Kinderzeit in Mannheim ließ ihr der spätere König, Ludwig I. von Bayern, dieses Grabmal errichten. Max Josef überließ 1806 das Haus L 2, 3 als Geschenk. ( Leopold Weyland, Dr. med. * Buchsweiler. Leibarzt von Ludwig VIII., von diesem zum Hofrat ernannt. Seine Freundschaft zu Goethe brach er ab, weil dieser Friederike Brion nicht heiratete, in deren Elternhaus er ihn eingeführt hatte. (vermutlich 1785 in Kutzenhausen gestorben).

Muschelkalkädikula mit Rundbogennische und eingestellten Säulen; darüber Blumenkranz. Giebel mit bekrönender Kreuzblume, Spitze fehlt. Inschrift: "WEYLAND WIRST MIR NIE WEILAND, GEGENWART BLEIBST DUR MIR IMMER. SO DIE LIEBE ZU DIR, SO AUCH DIE TRAUER UM DICH."
Grabtext von König Ludwig I. von Bayern.

Wyck, Jonkheer Harmen van der

Grab-Nr. 3

1769 - 1847 * Deventer. Niederländischer Wasserbausachverständiger der hier lebte und sich in einer Schrift "Der Mittelrhein und Mannheim in hydrotechnischer Hinsicht" mit Tullas Projekt befaßt. Stadthistoriker Walter schreibt "General" van der Wyck. (Walter II, 1907).

Liegende Grabplatte, Sinsheimer Sandstein, um 1847. Zwei stehende Löwen auf Blattornamenten halten das Wappenschild, auf dem zwei gekreuzte Zepter mit lilienförmigen Enden dargestellt sind. Darüber geflügelter Helm mit geschlossenem Visier und prunkvollem Helmbusch. Blattwerkornamentierung in neugotischen Formen. Die Grabplatte wurde 1989/90 von H.V. Dursy durch Abguß ersetzt.

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Zum Frühjahr wird am 16.03.2017 das Wasser auf den Friedhöfen Mannheim wieder angestellt.
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